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Beitrag zur Chronik für den Ortsteil Freiheid

erschienen als Berker Heft Nr.1

von Dietmar Schmitz

 

Schon in der Schule habe ich mich für Erdkunde, Politik und Geschichte besonders interessiert; meistens wurde jedoch über die Weltgeschichte gesprochen. So erfuhr man von der engeren Heimat wenig, weil es in keinem Schulbuch stand. Dabei bietet gerade die Heimatgeschichte reichlich Stoff für einen spannenden Unterricht. In loser Folge soll deshalb eine Serie über jeden Ortsteil unserer Stadt herausgebracht werden, auch über diejenigen Stadtteile, die heute ausgemeindet sind. Wie ich feststellen musste, steht in den bisher vorliegenden Büchern zur Stadtgeschichte von Wegberg und Beeck wenig über die Freiheid geschrieben. Die Siedler dieses Stadtteils sind Neubürger, denen hiermit die Vergangenheit näher gebracht werden soll. Viele sind zugewandert, dies ist auch nicht weiter verwunderlich; schaut man sich einmal die älteren Karten genauer an, fällt einem sogleich ins Auge, daß die Freiheid im Jahre 1806 aus einem Flecken mit 8 Häusern bestand. Fünfzehn Jahre später ist im Urkataster noch kein Zuwachs zu verzeichnen. Selbst auf der Flurkarte von 1929 sind in der Siedlung Freiheid erst 13 Häuser mit Schuppen oder Scheune eingezeichnet. Dazu kommen am Ende der Straße, Richtung Bahnhof, eine Fabrik (Rhenania) und gegenüber ein Wohnhaus.

 Wie gesagt, die Quellen und Nachrichten zur "Freiheiter-Flur" sind spärlich; aus dem wenigen lässt sich schließen, dass erst nach dem 2.Weltkrieg die eigentliche Bebauung begann. Hauptsächlich in den 50-iger und 60-iger Jahren, weil auch damals das Flüchtlingsproblem einen großen Wohnungsbedarf nach sich zog. 1956 wurden 70 Wohnungen der Baugesellschaft Kamps von Vertriebenen bezogen. Im April 1957 wird mit dem Bau von weiteren 96 Wohnungen begonnen, die Häuser wurden aus dem Sowjetzonenprogramm erstellt und ausdrücklich für Zuwanderer und diejenigen Familien reserviert, die in Lagern lebten. Zum Teil kamen die Bewohner aus den Notunterkünften in Tüschenbroich. Die Wohnsiedlung Kamps umfasste den Bereich Freidheider Str. / Mittelstr. / Imanuel-Kant-Str. Insgesamt waren 220 WE (Wohneinheiten) vorgesehen. Die Miete wurde im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus auf 1,05 DM festgesetzt. Im Jahre 1959 erfolgt eine Erhöhung auf 1,33 DM; eine große Beunruhigung der Mieter ist die Folge. Sie gründen eine Interessengemeinschaft und wenden sich an die Bezirksregierung in Aachen, ihr Vorgehen hat Erfolg, der Mietpreis wird auf 1,20 DM festgesetzt (WZ vom 1.4.1959). Da die Gemeindekläranlage erst im September 1958 fertig gestellt wurde, gab es vorübergehend auf dem Flurgrundstück Nr.38 Parzelle 121/2 der Ww. Anna Frenken, bzw. deren Erben gehörig, eine Behelfskläranlage; die Abwässer wurden in den Beeckbach geleitet. Über Schlamperei und Baumängel beklagte sich der Ratsherr Leo Esser aus der Freiheid beim Bauausschuß der Gemeinde. Auch ein Anwohner aus der Freiheid beklagte sich über unhaltbare Zustände, weil der vorgesehene Spielplatz nicht fertig gestellt war, so dass die Kinder sein Grundstück belagerten und Steine, Dosen und Bierdeckel hinterließen. Die Familienheimbau erstellt in 3 Bauabschnitten die Siedlungen Krankenhausstr. - Riethstr. - In der Dell, wobei die letzten Häuser 1966 bezugsfertig werden. Zehn Jahre später wird an der Firma Metallbau Neuhaus (heute Lünser) die Siedlung Amselweg (1821 Dahler Weg) mit 14 Häusern gebaut und an der Ecke Freiheider Str./Beecker Str. entsteht ein großer Wohnblock für die niederländischen Militärangehörigen. In jüngster Zeit - im Jahr 1994 - ist der AWO-Kindergarten hinzugekommen.

Neuerdings liegt ein Entwurf zur Bebauung des Feldes Vell vor, der zur Zeit im Bauausschuß beraten wird. Es gab einmal auf der Freiheider Straße vier Geschäfte - dies waren die Lebensmittelhändler Contzen (heute Ring-Fahrschule) und Gerards (heute Sonnenstudio) sowie die Drogerie Humpert und ein Elektrogeschäft direkt daneben.

 Dazu kamen dann noch die Kohlenhandlung Baltes, die Firma Autohandel Müller-Platz und der Landwirt Vell als gewerbliche Unternehmen neben den beiden bereits angeführten Firmen.

 Ich möchte Ihnen aber eigentlich mehr über die ältere Zeit berichten. Die allererste Erwähnung stammt aus dem Lagerbuch von Wegberg. Dort wird 1496 der Jan op der Vryet genannt. Weitere Eintragungen im Lagerbuch der Pfarre Wegberg lauten:

1507 gibt es ein Erckensguth auff der Freyheit empfangen von Huybken (Hubert) op den Busch. Um 1545 besitzt es Peter Mulleners. Sein Nachfolger ist Erken selbst, ihm folgt um 1624 der Gellersche Bott Theiß Gortz.

1510 werden Henrich Offermants Kinder gewest by den Vryeiderlandt jetzo Jan Grasen Landt erwähnt.

1532 gar ist Geryt (1538 Gerardo) op der Freyet Laate auf dem Vysten Gudt. Sollte er identisch sein mit Geryt (Gerhard) Vuysten od. Fausten, der 1524 das 6. Churmudt von Pastor Petrus Schenck (1517-1532) empfängt?

Einen kleinen Weiler Freiheid muss es bereits um das Jahr 1560 gegeben haben, da in einem Verzeichnis ein "Erken (Arnold) uff die Frieheit" erwähnt wird. Wahrscheinlich identisch mit oben erwähnten Hofbesitzer!

Die erste Eintragung in einem Kirchenbuch fand ich im Heiratsbuch von Niederkrüchten: 1602 heiratet Daim (Adam) vp der Freiheit tho Beeck die Naelken (Petronella) Jan ang Eycken-Tochter.

 Die Struktur des Wegenetzes hat sich zwar verändert, jedoch sind die Hauptwege 1806 schon ausgebildet, so der Freiheider Weg, der als Grenzweg nach Dorp führte und die Mühlenstrasse (heute Heidkamp), dazu der Dahler Weg, der bis zur Schule in Beeckerheide führte. Auch gab es schon einen Weg vom Conventh - Birkenallee und Krankenhausstr. - der sich nicht mehr geändert hat. Dagegen ist der schon 1656 erwähnte Freyheider Fusspatt, bis 1844 in der Karte eingetragen, heute aber verschwunden. Er zog sich von der heutigen Hirsch-Apotheke durch die Felder und kam am Heiligenkreuz aus. Ein Reststück dieses Pfades hat sich in der Einfahrt zwischen Haus Nr.15 und Haus Nr.23 erhalten.

Interessant ist auch der Wechsel in der Schreibweise. Besonders deutlich wird dies in der Flurbezeichnung. Ein kleiner Querschnitt mag dies verdeutlichen:

1619 ahn der Heiden, Vreyheidt

1649 in der Heyd, auf der Fryheitt

1757 auf der Heiden, Heidt

1775 in der Heyd, von der Heydt, an der Freyheidt

1804 zur Freyheit

1806 an die Freiheit (Tranchot-Karte).

 Zurückzuführen ist dies einmal auf die Aussprache, aber auch auf den Schreibstil der damaligen Zeit. Die Flurbezeichnung gibt auch einen Hinweis auf die Entstehung des Namens "Frei-heid". Klar erkennbar ist der Bezug auf die Vegetation ("Heide") des Gebietes. Aber die Deutung und Herleitung der ersten Silbe erscheint mir noch nicht so klar zu sein. Heinz Cohnen führt in seinem Buch den Namen darauf zurück, dass die 'Heide' - zwischen Wegberg und Beeck gelegen,- 'frei' von Steuern gewesen sei. Im Buch von Hugo Aretz über das Kloster Hohenbusch (bei Erkelenz) fand ich einen nachdenkenswerten Hinweis. Danach eroberten im Jahre 437 germanische Stämme, die sich Franken nannten, - d.h. die "Freien" - das linke Rheinufer, wozu dann auch Wegberg zählte. Sollten nun diese Franken dort gesiedelt haben (siehe Motte Ophover Mühle) und  die entsprechende Fläche vom Wald gerodet haben, so dass damit eine Umwandlung in Heide herbeigeführt wurde, so ergäbe dies eine neue Zeitbestimmung für den Stadtteil Freiheid. Diese Annahme wird noch bestärkt durch die Flurbezeichnung Forst, die auf den damaligen Waldreichtum hindeutet. Einige kleine Reste sind heute noch erhalten. Erst durch das Entstehen des Schulzentrums und der Häuser entlang der Markusstr. ist der letzte Teil des Schlabbis-Boisch (1505) fortgefallen. Ein weiteres Indiz für den damals noch vorhandenen Wald ist eine Klage aus dem Jahre 1559: es beklagen sich einige Geschworene vor dem Vogtgeding in Beeck, "dass Müßiggänger den Wald 'buschen' (roden), so dass sie daraus neue Heide gewinnen". Später wurde dann Ackerland daraus, was bis in die fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts erhalten blieb. Weiterhin geben die Geschworenen des Kirchspiels Beeck den Eingessenen folgenden Missstand bekannt: Sie beklagen sich darüber, das Heidekraut in andere Kirchspiele verbracht wurde; dies geschehe vornehmlich durch die Anwohner 'auf der Freiheit'. Dieselbe Klage wiederholte sich auf dem "Vaegtgedingh" der nächsten Jahre noch manches Mal. So wurden am 28.April 1563 endlich die schlimmsten Übeltäter namhaft gemacht; es waren dies die Einwohner Ercken Linß und Lemmen in der Freiheit, gegen die sich nun die Beschwerde richtete. Sie sollten sich sodann auf dem nächsten Gerichtstag dafür besonders verantworten und je nach Ausgang des Urteils auch noch vor das Hauptgericht in Wassenberg gestellt werden.

Die Bodenverhältnisse der Beecker Fluren, wozu die Freiheit zählte, waren von einer Lößschicht geprägt, der Beeckbach ist ungefähr die Grenze zur Sand- und Tonschicht, (siehe Kiesgrube Jansen und Klinkerwerk Simons). 1859 stellte ein Ziegler namens Ferdinand Oellers aus der Freiheid 400000 Stück Ziegel für die Erweiterung der Pfarrkirche in Wegberg her. Für 15000 Stück bekam er 59 Thaler bezahlt.

Das Material dafür lag direkt vor der Haustür, dort wo der Kindergarten steht und dem daneben liegenden freien Feld. Betrachtet man den Boden genau, so kann man an der Verfärbung der Erde und am Höhenunterschied zur Straße hin die Stelle genau lokalisieren. Eine weitere Grube befindet sich gegenüber der Sonderschule, dort wo heute ein Bolzplatz eingerichtet ist, gut sichtbar am starken Böschungsabfall zur Feldflur. Die Familie Oellers scheint zur damaligen Zeit traditionell diesem Handwerk verbunden gewesen zu sein, denn 1826 sind als Hausbesitzer die Ziegler Gerhard Öllers (Vater von Ferdinand) und Joachim Öllers, wohnhaft in der Freiheit, eingetragen.

 Der Flachsanbau gedieh auf diesem Boden besonders gut, wie der Heimatverein Beeck in den letzten Jahren eindrucksvoll beweist. Die Flachsverarbeitung wurde im Mittelalter zur Industrie, (siehe Flachsmarkt Beeck heute), die bis in die Neuzeit hineinreichte und für die heimische Wirtschaft von Bedeutung war (Hausweber, Spinner, Färber, Bleicher etc.). Die Erinnerung an den Flachs wird in den alten Flurnamen aufrecht erhalten (z.B. im Rapsfeld, Flassenberg). Daneben spielte der Roggenanbau eine große Rolle, was wiederum den vielen Mühlen rings um Wegberg den Verdienst sicherte; in unserem Fall die Ophover Mühle in Forst.

In den Wassermühlen wurde nicht nur Getreide zu Mehl verarbeitet, sondern auch aus Flachssamen Öl geschlagen. Neben der Feldbearbeitung hatte die Waldwirtschaft eine große Bedeutung. So diente der Wald nicht nur als Holzlieferant, sondern lieferte auch Viehfutter (Bucheckern, Eicheln) und war Weideplatz für Kühe und Schweine.

Die Nutzung des Waldes regelte die Waldgenossenschaft; alle Einwohner waren Mitglied dieser Genossenschaft. Alljährlich wurde ein Holzgeding durchgeführt. Hier wurde festgelegt, wie viel Holz jeder schlagen durfte. Auch wurden Verfehlungen geahndet.

Der Fronhofsverband Beeck und damit die Freiheid gehörte seit dem Jahre 1283 zum Amte Wassenberg und somit den Grafen von Geldern und den Herzögen von Limburg. Diese traten es als Pfand an den Kölner Erzbischof ab.

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse wurden mehr oder weniger von der damals vorherrschenden Grundherrschaft geprägt. In der Römerzeit war der Grundbesitz noch zusammenhängend, im Mittelalter durch den Adel ziemlich zerstreut und geteilt. Der Staatsbesitz der Römer ist an die fränkischen Eroberer gefallen, der Fiskus nahm sie in Besitz. Die neuen Siedler mieden die römischen Plätze.

Es entstanden Einzelhöfe. Betrachtet man die Karte, so fällt einem für die Freiheid sofort der heutige Vellhof ins Auge, so genannt nach den letzten Besitzern des Anwesens.

 Ob diese Hofsiedlungen schon bei der fränkischen Landnahme entstanden, ist nicht zu klären, da keine Funde aus dieser Zeit bisher aufgetaucht sind. Bei der nachfolgenden merowingischen Epoche setzte sich jedoch die Siedlungsstruktur der Einzelhöfe durch.

Eine Einzelhofeintragung finden wir erst sehr viel später im Rentenbuch der Pfarre Wegberg. Sie bezieht sich auf einen Hof im Kieroth (d.h. Kirchenrodung) und stammt aus dem Jahr 1737. Sie lautet:

"Am 29.12.1737 3/4 Platsen Ackerland versetzt an Pastor Reynders gelegen op de Kireat eine lange Seydt Hendrich Gibbelen, ein Vorhaupt die Forsterlind Straß gebend jährlich ausbehalten Schatz 2 viertel 1/2 Korn und 2 viertel 1/2 Haber, an "Beretzhooff", in Gegenwart meiner Untergessenen, meinen Schägervatter und meinem Momber (Vorgänger/Vormund?) Lodwig Geurd Scheffen des geldrischen Gerichtes für 25 Reichstahler Gulicker Cours.

Noch früher wahrscheinlich Erckens Guth uff der Freyheid, so nun sein Sohn Coen (Konrad) an der Hand hefft, zahlt 4 Hoener 9 Pfennig an die Kirche. Er übernimmt den Hof im Jahre 1575."

 1826 ist lt. Güterverzeichnis Matthias Michels steuerpflichtig; er ist verheiratet mit Maria Magdalena Rütten aus Beeck - sie heirateten am 26. April 1815 in Beeck. Sie besaßen aber nicht nur diesen Hof, sondern gleichzeitig noch ein Haus in Beeckerheide, dort sind sie auch verstorben. Zum Hof selbst gehörten 13 Morgen, 71 Ruthen und 30 Fuß an Land. Mit 17 Thalern wurde dies besteuert. Für beide Häuser mussten sie nochmals 4 Thl., 18 Sgr. entrichten.

Der zuvor angesprochene Wandel hing mit der Entwicklung der Grundherrschaft zusammen. Im Frühmittelalter produzierte der Grundherr für den Eigenbedarf, so ließ selbst der König mit Hilfe der persönlich oder dinglich unfreien Bauern, innerhalb eines Fronhofverbandes sein Land bewirtschaften. Das Zentrum war der Fron- oder Herrenhof, in unserem Fall das "Haus Beeck". Zu ihm gehörte eine Anzahl kleinerer Bauernhöfe. Die Bewirtschafter dieser Güter wurden Laten oder Hüfner genannt, letzteres stammt vom Wort -Hufe-, das die Größe eines bestimmten Stückes Land bezeichnet (zw.20-60 Morgen).

Der Grundherr überließ ursprünglich diese Latstelle als Landleihe gegen entsprechende Dienstleistungen und Abgaben. Die Dienstleistungen in Form von Fuhrleistungen oder Schanzarbeiten, Abgaben als Zins vom Ertrag in Naturalien, so vom Vieh und den Früchten, dies wurde später in einer Geldabgabe kompensiert.

 Beispiel: Anno 20.1.1637 hat Jan Graessen auf der Freyheyt die Churmudt empfangen (das 9.Guth der Kirche zu Wegberg) genanndt Hoelkens Guth to Dorp gelegen neben Druysels ietzo Hennikes Camp an Straess und Keerath (Kieroth) neben dem Peecken Landt so der Pastor von Peter Quaris aengenommen, bis an die Beeckerheyde, und von daer langs die Heyde bis auf Dorper Hofs Landt und von daer af over die Straet wes op die Beeck (Schwalm). Gibt jährlich an Fahrzyns Ein Malder Even id est Haber, Drey Pfundt wollgehechelten Flachs, 11 Hühner und 13 Denare sive an Lichtgeld 9 Albus 2 Heller. Er zahlt 11 Daler Reluitionen im beysints zweyer Laaten Aret Cryns (Pächter des Knoerßen Guthes) und Jan to Uvekoven (Pächter des Stams Guets).

 Damit alles seine Rechtmäßigkeit behielt, wurde ein Hof- oder Frongericht gehalten, wenn es zu Unstimmigkeiten kommen sollte. Dies geschah meist dann, wenn Missernten oder sonstige Schäden bzw. Engpässe auftraten.

Vorsitzender war der Grundherr oder der Latschultheiß, Beisitzer die Laten als Schöffen. Sie entschieden auch über die Nutzung von gemeinsamen Flurteilen, den Allmenden, wie der Schafsweide oder den Weidewäldern. Als weitere gemeinsame Einrichtung dienten auch die Mühlen; sie wurden dem Verband gegen Entrichtung einer Gebühr zur Verfügung gestellt und bildeten so eine ständig sprudelnde Einnahmequelle für den Grundherrn. Zur Sicherung der Einnahme schuf man den Mühlenzwang, das heißt die Bauern eines bestimmten Bezirkes durften nur dort ihr Korn abliefern.

Laut Latrecht fiel nach dem Tode eines Aufsitzers das beste Stück Vieh als Kurmede an den Latherrn. Innerhalb von 30 Tagen musste von den Erben die Weitergabe beantragt werden, sonst verfiel das Gut. Dieses konnte zur Folge haben, dass schon Kindern im Alter von 7 bis 15 Jahren zum 'Newen Laaten' wurden. So geschehen 1688 Wilhelm Hamers-Claes Hamers Sohn für das Pynarts Guth, damit es möglichst lange in einer Hand blieb und die Abgabe nicht so oft fällig wurde, denn welch ein Kapital stellte so eine Kuh doch dar!

 Da der Fronhof zu Beeck ein Lehen der Herren von Wassenberg war, gehörte es den Herzögen von Jülich als deren Nachfolgern. Es umfasste zirka 200 Morgen Land, dieses Gefüge der Abhängigkeit bestand eindeutig noch im Jahre 1506.

Ob der Vellhof der Nachfolger des Beretzhofes ist und ob die anderen Häuser schon als Hofgruppe - wie in der Tranchot-Karte als erste Aufnahme der Struktur des Ortes sichtbar wurde - in dieser Form schon damals bestand, ist fraglich. Fest steht jedoch, dass es schon eine Bebauung gab.

Neben den Abgaben an den Grundherrn gab es aber noch eine weitere, nämlich den Zehnt an die Kirche. Es gab den großen und den kleinen Zehnt. Für den gesamten Bereich wurde der kleine Zehnt gefordert, nur die südlich von Beeck gelegenen Orte Gripekoven, Ellinghoven und Kipshoven mussten den großen Zehnt entrichten.

Jan Vell am Venn Weduwe(Witwe) Beelken (Sibilla) soo ertrouwet (verheiratet mit) Jacob Meuis an der Freyhydt --3 Pinten Rogh (Roggen).

Segers Erfg aen der Vryheyt --2 viertel Rog.

Berets Erfgl. aen der Vryheyt --2 viertel Rog.

Wilm Peters der Ververs aen der Freyheyt Wittib Encken (Anna) 5/4 rogh bis 1720, danach Peter Heesen

Nelisgen (Cornelius) auf der Vryheyt an die Vicarie B.M.Virginae 2 Sümber Rogh

Joannes Berets Erfgl. aen der Vryheyt von 25 Daler die Pension (Zinsen) von 5 Schillingen und 2 1/2 Albus.

(1756) Als Unterpfand (Zur Sicherung der Ansprüche seitens der Kirche) ohngefehr ein Viertel Plätzenland auf den Kerath gelegen eine langeseit Wilhelm Mentz Erb ander Seit Erbg. von Dierich Siegers ein Vorhaupt die Limit Fuhr ander Seit.

 Jan Beretz scheint um 1572 aus Korschenbroich zugezogen zu sein, Jan und Maria Beerets (oder Nelißen) die mit Theodor Brußen/Busch(en) verheiratet ist, sind seine Erben. Anhand dieser Familie möchte ich einmal aufzeigen, daß die Familiennamen noch nicht fest waren, das Ehepaar heiratet um 1699, sie bekommen folgende Kinder:

1. Maria * 09.08.1704 von der Freyheit Mutter heißt da "Nelißen"

2. Adelheid * 23.03.1707 ahn der Freyheit Vater heißt da "Busch"

3. Sybilla * 15.07.1709 ahn der Freyheit Vater heißt da "Brusten"

4. Joannes * 13.12.1711 Vater heißt da "Bauffen"

5. Anna * 24.12.1713 ahn der Freyheit Vater heißt da "Buschen"

6. Gertrud * 21.11.1716 ahn der Freyheyt Vater heißt da"Buschen".

 Es bestehen verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie Siegers. Theodor Siegers ist zweimal verheiratet, in 1.Ehe mit Margaretha Dorp, Beeck, 9.6.1726, in 2.Ehe mit Maria Schlossers, Beeck, 22.5.1729.

Da anhand der vorhandenen Urkunden keine altersmäßige Bestimmung möglich ist, kann man vielleicht anhand der Struktur oder der Topographie eine Altersbestimmung herbeiführen. Da noch in der Tranchot-Karte von 1806 die Fluren fast unverändert waren, kann man davon ausgehen,daß dies auch im gesamten Mittelalter so war. Nördlich des Beeckbaches - also die Freiheid-Kleingerichhausen-Beeckerheide und Forst - lagen im Beecker Busch oder in der Beeckerheide. Daran schloss sich die Ackerflur auf der anderen Seite des Baches an. Die Bauerngüter waren damit von der Feldflur getrennt, was sehr auffallend ist. Dies war schon im Jahre 1473 so, wie aus einer Flurbeschreibung des Beecker Feldes hervorgeht.

Ein Anhaltspunkt für die richtige Einordnung könnte die Mühle zu Ophoven in Forst sein; wie bereits festgestellt wurde, gehörte zur Mühle ein gewisser Bezirk. Eine Mühle konnte aber ohne Siedlung nicht existieren, also was liegt näher, als die Siedlung Freiheid als zugehörigen Verband und gleichzeitig Schutzraum, wie er in früherer Zeit üblich war, zu betrachten. Als weiteres starkes Indiz spräche die Motte (deren Entstehung allgemein um 900 festgelegt wurde) dafür; da sich hier bei feindlichen Übergriffen die Bewohner zurückziehen bzw. verteidigen konnten, weil sie erhöht lag und mit Wassergräben umgeben war. Im heutigen Gelände noch gut sichtbar, gespeist durch den Beeckbach. Sie diente dann gleichzeitig als Absicherung für die Mühle.

All dies ließe wiederum eine Zuordnung zum 10.Jahrhundert zu, wie es ebenfalls für Beeck, Wegberg und Watern geschehen ist. Die Ansiedlung der Bauernhäuser war auch eine Frage der Geländebeschaffenheit, so lag die Ackerflur dort, wo heute noch das Ackerland im Kieroth ist und war (ersichtlich aus der Tranchot-Karte), entlang der Krankenhausstr, bis zum Sportplatz. Da die Freiheid ein großes Rodungsgebiet war - genau wie Kipshoven - auch ersichtlich in dem Wort "Ke-rath (roden)", als grober Rahmen wird das 9. bis 13.Jahrhundert für diese Periode angesetzt, ist anzunehmen, daß dazu auch die entsprechende Hofanlage gehörte. Nimmt man Beeckerheide und Kleingerichhausen hinzu, so ist auch hier ein halbkreisförmiger Ring um Motte und Mühle gezogen. Die Siedlung Forst bestand noch nicht, es gab nur Einzelgehöfte, genau wie in Setelsheid (Am Settel) und Hüsenheid (Heesenheid), heute zwischen Heidkamp und Lindenstr. Besteht nun ein direkter Zusammenhang zwischen Siedlung und Motte?

 Die Flurbezeichnung Hessenheiderfeld (Urkataster 1821), zwischen Beeckerheid und Freiheiderheid gelegen, scheint mir erst um die Zeit zwischen 1620-1650 entstanden zu sein, als die Hessen im 30jährigen Krieg in unser Land einfielen. Noch aus merowingischer oder karolingischer Zeit stammt der Reichswald, hatten die Einwohner von Freiheid Anteil an dieser Allmende (Allgemeingut) ?

Der Beecker Busch lag doch direkt vor der Haustür, also wäre dies nicht ausgeschlossen. Die Herren von Beeck besaßen hier wie im Bercker Busch mit anderen Herren (Nesselrode und von Brempt) die Waldgrafenrechte. Durch die vielfachen Rodungen wurde immer mehr Kulturland geschaffen, was für den jeweiligen Grundherren natürlich eine höhere Rendite brachte. So ist es nicht verwunderlich, daß nur noch einzelne Parzellen Wald am Beeckbach (Forst) und Heidkamp übriggeblieben sind.

Immer mehr Neuland wurde gebraucht. Die wachsende Bevölkerung war in der Landwirtschaft alleine nicht mehr zu beschäftigen. Obwohl auf den Höfen viele handwerkliche Tätigkeiten in Eigenregie verrichtet wurden, entwickelten sich Handwerksberufe wie Schmied, Zimmermann oder Müller. Diese wurden später dann zum Familiennamen, zur besseren Unterscheidung der Menschen, die bis dahin nur einen Vornamen kannten. 1641 war ein Jan Beecker od. Jan Wilms der Becker auff der Freyheydt on namliges Gut ing Low. Auch Wilhelm Peters als Farber an der Freyheit wird genannt. Theys an der Freyheit vulgo der Avila (?).

Für die Ophover Mühle liegt ein Pachtbrief vor (1627), in dem ein Hermann Hülsen sie verpachtet. In ihrer Nähe lag die Hofanlage der Herren von Ophoven, besonders gut auf der farbigen Karte von 1844 (Uraufnahme) zu erkennen. Dieser Hof wurde auch Orthenhof genannt, als burgähnliche Anlage mit Wassergraben angelegt, brannte aber im vorigen Jahrhundert vollkommen nieder. Die heutige Straßenbezeichnung Ottenhof, diese Bezeichnung taucht zusammen mit dem Namen Orthenhof 1826 im Urkataster auf, dem heutigen Kirmesplatz von "Hei on Klei", weist noch darauf hin. Im Jahre 1656 mußte das Müllerken auf der Freiheit (Tewis <Matthäus>Vehl) 1/2 Sümmer Roggen als Rente an den St.Nikolausaltar zu Wegberg entrichten.

1 Malter Roggen = 208 Pfund = 8 Sümmer = 4 Scheffel, er kostete 5 Reichstahler (ca.150 DM heutiger Zeit).

Um 1700 mußte der Müller die gleiche Zehntabgabe zahlen, außerdem noch ein Huhn und 2 1/2 Denare Geld.

 Seit ewigen Zeiten gehörte die Freiheid zur Bürgermeisterei Beeck, auch kirchlich war die Pfarrkirche in Beeck zuständig; eindrucksvoll belegt in den alten Tauf-, Trau- und Sterbebüchern der Pfarre. Dies sollte sich erst im Jahre 1958 ändern, als der Bischof von Aachen in einer Kanzelverkündigung zu Ostern dem Pfarrverwalter zu Wegberg die Orte Berg, Busch, Forst, Freiheid, Beeckerheide und Kleingerichhausen die seelsorgerischen Rechte und Pflichten zuteilte. Dem war ein jahrelanger Streit zwischen beiden Pfarrgemeinden vorausgegangen. Bereits 1926 hatte der Kirchenvorstand von Wegberg beschlossen, die Freiheid mit den umliegenden Orten umzupfarren. Die Bewohner des Kirchsprengels Forst und Freiheid lehnten dies mit Schreiben an das Erzbischöfliche Generalvikariat ab. Schon damals wurde eine Unterschriftensammlung gemacht. Auch war die Freiheid an die St. Sebastianus-Bruderschaft Beeck angeschlossen.

Früher war das Kirchspiel in Honschaften unterteilt, die Freiheid war dabei zu Beeckerheide gehörig. Jede Honschaft stellte einen Vorsteher und Scheffen, ab 1700 werden aus den Vorstehern Bürgermeister. Nach 1677 änderte sich die Einteilung, es entstanden die Quartiere, nun zählte Freyheit zum 4.Quartier, Beeckerheide wurde wegen seiner Größe in ein Ober- und Unterquartier unterteilt.

Nach einer Bevölkerungsstatistik für 1771 gab es im Oberquartier, zu dem die Freiheid zählte, 17 Häuser mit 50 Einwohnern, hier sind 3 Familien als ärmlich gekennzeichnet. (1827: 73 EW). In der Bevölkerungsliste von Beeck aus dem Jahre 1801 sind 16 Haushaltsvorstände mit 61 Einwohnern aufgeführt, darunter 10 "Daglöhner", 3 Ackerer, 1 Magd und 3 Wittib (Witwen).

(Zum Vergleich im Jahre 1960 sind es 185 Haushaltungen mit 614 Einwohnern.)

 Verwaltungsmäßig kam die Gemeinde Beeck am 1.10.1935 zu Wegberg. Bis zum Jahre 1786 gab es in der Heyd (Beeckerheide) ca. 139 Morgen Ackerland. Eine große Vermehrung erfolgte bis zum Jahre 1823 durch den Verkauf von Heide und Ödland in der Beecker-Heide aus dem Gemeindeeigentum; hauptsächlich um die Schulden zu tilgen, die in der napoleonischen Zeit entstanden sind. Für Frankreich sind in den Jahren 1807 - 1812 auch Bewohner der Freiheid an napoleonischen Feldzügen beteiligt. Wie aus einem Verzeichnis hervorgeht, wurde 1810 ein Johann Peter Hansen eingezogen; er geriet 1814 in spanische Gefangenschaft. In diesen unruhigen Zeiten mussten die Bewohner ständig Einquartierungen hinnehmen - kein leichtes Los für die ärmlichen Leute, die zumeist aus Tagelöhnern (Knecht, Magd, Maurer, Schumacher usw.) mit Nebenberuf (Weber od. Spinner) und Ackerern bestand. Es gab aber auch Ausnahmen. So musste bereits Anno 1665 ein Neles (Cornelius) von der Fryheit aus seinem Kleingewerbe 1 Reichstaler Gewerbesteuer bezahlen.

Durch die vielen Kriege gab es des Öfteren Notzeiten, die noch durch Ernteausfälle, durch Unwetter sowie durch Krankheiten (Seuchen wie die Pest) erhöht wurden. Im 1.Weltkrieg gab es einen Gefallenen zu beklagen, es starb am 16.8.1916 Wilhelm Hinkes. Die Gefallenen des 2. Weltkrieges sind Josef Stevens + 21.1.1943, Hermann Klingen + 5.7.1943, Leonhard Ehren + 11.7.1943, Heinrich Ditges + 30.12.1944 und Hans Peters + 30.3.1945, alle in der Freiheid wohnhaft. Direkt hinter Müller-Platz, am Weg zur Sonderschule, steht ein Bildstock aus dem Jahre 1915, der dem Heiligen Joseph geweiht ist. Er wurde hier erbaut, weil das alte Kreuzbild, das an dieser Stelle stand, aus Altersschwäche zusammenbrach.

Die Parzelle ist schon im Urkataster eingetragen; so ist zu vermuten, dass das alte Kreuz schon im 18.Jahrhundert dort gestanden hat.

 Trotz allem gab es aber auch Gelegenheiten für Belustigungen und Vergnügen. Für die Männer war dies das Wirtshaus nach dem Kirchgang. Sieht man sich die Statistiken daraufhin an, stellen wir erstaunt die Vielzahl der Wirte fest:

 1728 gab es in der Gemeinde 253 Familien 7 Wirte

1772 - " " 426 " 7 "

1787 - " " 426 " 7 " +6 Branntweinschenken

1792 - " " 450 " 10 " +8 "

1907 24 "

1975 12 "

 Dazu kommt die Kirmes (bzw. Markt/Flachsmarkt) 2-3 pro Jahr, und der Karneval. Dies führte mit der Zeit unweigerlich "zur Verrohung der guten Sitten", wie sich der Pfarrer von Beeck von der Kanzel einst äußerte. So geschehen im Jahre 1817, als er sich über zuviel Ausgelassenheit beklagte.

Da der Gemeinschaftssinn immer groß geschrieben wurde, entstand im Jahre 1899 die Dorfgemeinschaft "Hei on Klei". Die ersten Feste wurden mit dem Schifferklavier und der Fiedel bestritten; später gab es dann Blasmusik. Meist wurde auf der Tenne einer Scheune gefeiert. Heute gibt es nun schon eine Tanzgarde und ein Festzelt mit regem Zulauf.

Damit ist der Bogen gespannt von früher bis in die heutige Zeit. Weitere Artikel über einzelne Höfe und Ortsteile sollen folgen. Wie wir feststellen konnten, ist die Freiheid also wesentlich älter als bisher angenommen.

  

Quellennachweis: Verschiedene Festschriften Hei on Klei (1974-1983-1990-1991)

Die Gerichtsbarkeit der alten Schöffengerichte von Wegberg

Heimatbuch der Stadt Wegberg

Kirchengeschichte Wegberg

Geschichte der Gemeinde Beeck

Geschichte der Gemeinde Wegberg

Geschichte der Pfarren Beeck und Rath-Anhoven

Die Ortschaften des Kreises Heinsberg

Pfarrarchiv Wegberg

Stadtarchiv Wegberg (Karten-Luftaufnahme)

Pfarrarchiv Beeck

Hauptstaatsarchiv Düsseldorf  (Schloß Kalkum)

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Privatarchiv Dietmar Schmitz (Klinkum)

Privatarchiv Horst- Dieter Jansen (Wegberg)

Archiv des Standesbeamten Willibert Schröder (Stadt Wegberg)

Archiv des Historischen Vereins Wegberg

Zeichnungen von Dietmar Schmitz und Georg Heinrichs

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Dietmar Schmitz
dietmar.Schmitz@klinkum.de
Datum der letzten Änderung: 09.12.10