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Lebensbilder - Wer war der Notar Biergans - von Dietmar Schmitz aus Berker Bote Nr.12
Franz Theodor Mathias Biergans war nur kurze Zeit Notar in Wegberg, nämlich von 1836 - 1838. Trotzdem halte ich es für richtig, eine kurze Biografie von ihm hier zu veröffentlichen. Darauf gestoßen bin ich beim Lesen des Buches "Aldenhoven im Jahre 1799", die Auswertung einer Bevölkerungsliste. Seine Eltern sind der Aldenhovener Kaufmann und Schöffe Matthias Franz Biergans und die Katharina Elisabeth Lintzen (Heirat 1767, DvA [Dispens vom Aufgebot] v.19.8.67 ). Sein Vater war von Beruf Zitronenhändler und ist bereits 1771 verstorben. Franz Theodor ist am 22.5.1768 in Aldenhoven geboren. Er hat einen Bruder Joseph Wilhelm, geb. 30.12.1769 , der später Jurist wird und am Aldenhovener Gericht tätig ist. Er studierte 1787 in Köln, wurde 1795 Präsident der Munizipalität (Bürgermeistereien) des Distriktes Aldenhoven und 1797 Generalsekretär des Obertribunals des Jülicher Landes. 1804 ist er Friedensrichter in Eschweiler und 1811 Richter in Aachen, in preußischer Zeit Geheimer Justizrat und General - Prokurator in Köln. Dort ist er auch am 4.8.1841 gestorben. Dann gibt es noch eine Schwester Anna Maria Josepha, die 1771 geboren ist. Die Mutter war sehr fromm und wollte aus ihren Söhnen etwas machen, dem jüngeren hätte dies fast die Karriere gekostet, da er mit den französischen Besatzern in Konflikt geriet, als er an einer Prozession teilnahm. Sein Bruder Franz Theodor Matthias, war erst recht "skandalumwittert", obwohl er gar nicht mehr in Aldenhoven lebte. Nach seinem ersten Unterricht beim Ortspfarrer besuchte er anschließend das Laurentianer-Gymnasium in Köln. Auf Wunsch seiner Mutter trat er 1786 in das Kreuzbrüder Kloster Schwarzenbroich in Düren ein. Er fühlte sich zum Ordensleben nicht berufen und verließ das Kloster wieder, ohne Erlaubnis . Einer anderen Quelle zufolge legte er 1789 die erste Profess ab, bereute diesen Schritt aber sehr bald und verließ das Kloster noch im selben Jahr . Während der Türkenkriege entschied er sich fürs Soldatenleben. Dabei ließ er sich von österreichischen Werbern anheuern. Doch gegen Ende des Jahres verließ er die kaiserliche Armee, wohl als Deserteur. Danach war er für einige Zeit Lateinlehrer an einer Schule in Stuttgart (1790). Hier lernte er die "größte Frau der Alemannen" Maria Ehrmann geb. Brentano, kennen und die Dichter Schubert, Bürger und Ständlin. Mit ihnen hatte er später weiterhin brieflichen Kontakt. Aber auch dies gefiel ihm nicht so recht. So kehrte er schließlich in sein Kloster zurück, wohl um der harten, auf Dissertation stehenden Strafe zu entgehen. Auf Vermittlung des Kölner Generalvikars von Horn-Goldschmidt wurde er wieder im Kloster Schwarzenbroich aufgenommen. Im Jahre 1793 wurde er mit innerem Widerstreben zum Priester geweiht. Beim Einzug der revolutionären Truppen Frankreichs verließ er den Konvent. 1795 wird er als führender Vertreter des Jakobinismus in Köln bezeichnet. Aus dieser Zeit stammt auch die Zeitschrift: "Brutus oder der Tyrannenfeind" . Es hatte sich ein Club gebildet, in dem Biergans, sein Schulfreund und Advokat Sommer und noch einige einflussreiche Leuten vertreten waren. Der Cölner Rat wurde heftig von ihnen attackiert. Seine erste Rede hielt er vor dem Patriotischen Zirkel in Düren, wo sein revolutionäres Engagement hervortrat. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Biergans verhaftet wurde . Die Schriften richteten sich weniger gegen die Könige und den Adel, als vielmehr gegen die Kirche und ihre Diener. Die rohen Beschimpfungen und Verunglimpfungen führten allerdings dazu, dass er die Stadt verlassen musste [1796]. Hashagen beschreibt die Vorgänge so: "Auch in Köln fehlte es nicht an betriebsamen Revolutionsjournalisten, die sich wie Franz Theodor Biergans in seinem Brutus von 1795 für "Licht und Patriotismus" einsetzen, d.h. den Franzosen rheinische Wasser auf ihre Mühlen leitete. Aber die Tage dieser neuen Größen waren gezählt, und bald wurden ihnen die Trauben zu sauer. So sind auch ihre Zeitungsschöpfungen Eintagsfliegen geblieben." Man warf ihm sogar vor, ein blutrünstiger Jakobiner zu sein. Er wurde nach Aachen überführt. Nach seiner Freilassung gab er eine neue Schrift heraus "Brutus der Freie" und vertreibt dort seine Ideen und Gedanken , er war ein Anhänger Napoleons. Ab jetzt unterstützte er die linksrheinischen Patrioten in Aachen, Bonn und in den Kantonen Brühl und Lechenich. Das Blatt fand in Aachen nur geringen Beifall, obwohl er die Rückendeckung der Zentralverwaltung hatte. Er erhielt sogar eine Belobigung aus Paris. Wegen fehlender finanzieller Mittel und Zuspruchs durch die Bevölkerung wurde der Druck eingestellt. Zudem wurde auch die neu geschaffene Pressefreiheit bis 1799 einer immer strenger werdenden Zensur unterworfen. So wurde er schließlich Rechnungskommissar in Bonn (1797) . Bei den neuen Herren bewarb er sich um eine Professur der schönen Wissenschaften. Die erhielt er jedoch nicht, dafür erhielt er die Anstellung als "Commissaire du Gouverment" (Munzipalverwaltung, ab dem 15.3.1798) beim Canton Brühl. Er war damit verpflichtet, an dem Ort, wo die Verwaltung ihren Sitz hatte, zu wohnen . Seine Aufgabe war es nun, das Interesse der Kantone zu wahren, den Gang der Geschäfte sowie den Vollzug der Gesetze zu betreiben. Im Jahre 1800 ist er schließlich in Monschau als Notar anzutreffen. In der gleichen Funktion ist der dann ab 1806 in Aachen tätig. Franz Theodor war mit Gertrud Clever verheiratet. Sie verließ ihn jedoch schon im Jahre 1820. In seinen späteren Jahren distanzierte er sich von den revolutionären Frühschriften. Hier tritt er dann auch als Publizist und Verleger in Erscheinung; denn seit 1815 gibt er sie Zeitung "Aurora" heraus. Nach seiner Stippvisite in Wegberg , er legte hier sein Amt nieder, ging er nach Köln. Dort war er noch als Publizist tätig. Am 18.Januar 1842 ist er an Altersschwäche verstorben. Er hinterließ 4 Kinder und 5 Enkel . W. Hermanns und F. Dautzenberg bezeichnen ihn als ein Kind der Aufklärungszeit . Durch meine Recherchen im HStA (Hauptstaatsarchiv) in Düsseldorf Nebenstelle Schloß Kalkum, konnte ich jedoch keine Belege für sein Wirken finden. Er fehlte einmal in der Liste der Notare. Ein Repertorienband von ihm ist auch nicht vorhanden. Weil es von Interesse sein dürfte welche Notare in Wegberg gewirkt haben, möchte ich folgende Aufstellung wiedergeben: Repertorien Nr. Notar Zeit 1852 Von Monschaw, Carl 1831 - 1834 1854 Weiler, Carl Josef 1834 - 1838 1847 Hermes, Ludwig 1838 - 1840 1853 Schüller, Peter Joseph 1840 - 1841 1833 Eskens, Heinrich Bernhard 1841 - 1872 1841 Kehren, Jacob 1872 - 1886 1848 Michiels, Wilhelm 1886 - 1894 1843 Müller, Peter Josef 1894 - 1901 1871 Neugebauer, Ernst 1901 - 1906 6483 Palzer, Hermann 1907 - 1926 6480 Ahsmann, Jacob 1926 - 1935 Die aufgelisteten Bestände können unter der vorangestellten Nr. im Archiv bestellt und eingesehen werden. So beinhaltet das Repertorium Nr. 1833 den Zeitraum vom 24.11.1841 - 22.7.1844 mit den Urkunden Nr. 1- 1001. In neuester Zeit sind hier Uwe Lukowski bis 1998 und Johannes Christian Freuen in Wegberg tätig. |
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Datum der letzten Änderung: 09.12.10